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Schlagwort: Medizin

Waltrud Wamser-Krasznai: Exophthalmus und Ptosis

    Der Anblick eines vorgewölbten Augapfels/Bulbus bei antiken Figuren (Abb. 1) lässt engagierte Mediziner*innen  an das Symptom des Exophthalmus denken. Da den vielen in gleicher Weise gestalteten Augen bei archaischen Statuen gewiss keine krankhafte Bedeutung zukommt, wollen wir in entsprechenden Fällen die pathologisch stigmatisierte Bezeichnung Exophthalmus lieber in Gänsefüßchen setzen. Unter einer Ptosis verstehen wir bekanntlich ein auffallend weit herunter gezogenes Oberlid, das als Merkmal bei antiken Statuen[1] ebenfalls keinen Krankheitswert besitzt und daher mit  Anführungszeichen versehen werden soll.   …

Corona Pandemie (Renate Myketiuk)

König Corona, du fremdes, so seltsames Wesen,wir Kranken, wir haben es schwer, recht bald zu genesen.Vom fernen Osten, da kamst du ganz flott angeritten,bist mächtig und stark, zum Fürchten ganz unbestritten.Und wir sind hilflos, können dich einfach nicht fassen;und können die Arbeit doch niemals ganz lassen. Du winziges Wesen, so kugelrund,voll Stacheln, du treibst uns in den Todesschlund.Hast dich versteckt wie eine Krimi-Bande,jetzt brichst du aus und ziehst durch die Lande.Du fragst nicht, ob ein jeder dich auch mag,du greifst…

Macht und Ohnmacht in der Medizin (Dietrich Weller)

Schon als Schüler erlebte ich regelmäßig in der Kinderarztpraxis meines Vaters Grundlagen der Behandlung. Die Höhensonne sollte die Aufnahme von Vitamin D fördern, das die Kinder – auch meine Schwester und ich!- als scheußlichen Lebertran essen mussten. Wunden nähte mein Vater mit sterilen Fäden, die er in kleinen Fläschchen aufbewahrte. Ich durfte sogar manchmal den Faden abschneiden. Jeder Faden musste einzeln in die Klemmhaltung der Nadel eingefädelt werden. – Die Nadeln bewahrte Vater in einer Dose auf, die mit dem…

Meine Streifzüge durch die Medizin (Dietrich Weller)

Schon als Schüler erlebte ich regelmäßig in der Kinderarztpraxis meines Vaters Grundlagen der Behandlung. Die Höhensonne sollte die Aufnahme von Vitamin D fördern, das die Kinder – auch meine Schwester und ich!- als scheußlichen Lebertran essen mussten. Wunden nähte mein Vater mit sterilen Fäden, die er in kleinen Fläschchen aufbewahrte. Ich durfte sogar manchmal den Faden abschneiden. Jeder Faden musste einzeln in die Klemmhaltung der Nadel eingefädelt werden. – Die Nadeln bewahrte Vater in einer Dose auf, die mit dem…

Das Killer-Gen und der Populismus (Dietrich Weller)

Viele Menschen versuchen, ihr eigenes mangelndes Selbstwertgefühl zu verbessern, indem sie ihre Mitmenschen hetzen, demütigen, beleidigen, als minderwertig darstellen oder in irgendeiner anderen Weise herabsetzen. Es ist ja sehr einfach, am Anderen Fehler zu entdecken und zu kritisieren. Dass wir diese nur entdecken können, weil wir sie in der Anlage selbst auch besitzen, wird meist großzügig übersehen. Die Logik dahinter ist einfach: Wenn der Andere meiner Meinung nach weniger wert ist als ich, bin ich „sozial mehr wert“. Der scheinbare…

Der defekte Kompass (Dietrich Weller)

Es ist hilfreich, einen Kompass zu nutzen, wenn wir unseren Weg suchen. Das setzt voraus, dass wir unser Ziel kennen und den Kompass richtig benützen. Dies gilt im übertragenen Sinn auch für die Orientierung in geistiger und sozialer Richtung. Meine Geschichte zeigt, was geschieht, wenn jemand einen defekten Kompass nutzt und ihn für voll funktionsfähig hält. Schon gleich zu Beginn der Abendsprechstunde um 18 h in der Notfallpraxis lag eine Anforderung von der DRK-Leitstelle vor, einen Hausbesuch zu machen bei…

Coronarien (Gabriele Stotz-Ingenlath)

Ein Hypochonder in Zeiten der Coronaviren Die Gasmaske hat er bereitgelegt, stündlich nimmt er neue Informationen auf,geht in Gedanken Infektionswege durch.Wovor denn haben Sie solche Angst?Er zögert kurz: Vor Leid und Tod.Fürchten wir das nicht alle – diffus, vage, unbewusst?Hilflos.Und nun haben Leid und Tod einen Namen und eine Form,ein Virus ist es, das man nachweisen,gegen das man den Kampf aufnehmen,dessen Ausbreitung man vermeiden kann.Weltweit schwenken alle ein in die Endstrecke des Nachdenkensüber etwas Konkretes, Nachweisbares, Sichtbares, Fassbares.Vielleicht überleben ja…

Hölderlin mal drei (Klaus Kayser)

Herbert und Hölderlin – ein deutsches Requiem Prolog Dem Herbert und dem HölderlinDas Lebenslicht einst beiden schien.Hölderlin, dem GeisttitanHerbert auch, dem armen Mann,Der sich aus der Armut raffteZum Marine Maat es schaffteDann bescheiden, pünktlich, klugNach dem Krieg die Post austrug.Er wurde neunzig Jahre altAls er aus dem ZeitenspaltEinsam in das Jenseits fuhr.Ein Grabstein ziert die Lebensspur.Er bleibt verschollen, unbekanntAuch sein Verdienst für VaterlandAnstand, Ehre, Einsatz, PflichtKümmern seine Nachwelt nicht.Hölderlin, in frischen  JahrenIst bekannt und Kunst erfahren.Goethe, Schiller, Hegel, FichteZünden Friedrich…

Corona und ich. Ein B-weapon-test (Waltrud Wamser-Krasznai)

Corona und ich. Ein „B-weapon test“? Gleich nach dem Krieg hatte ich meine bisher einzige Grippe, Es müsste im Winter 1945/46 gewesen sein. Im Herbst 1945 war ich eingeschult worden. Die Hauptsymptome, hohes Fieber und schweres Krankheitsgefühl, wurden von unserem Hausarzt und seiner Assistentin mit den wenigen Mitteln, die zur Verfügung standen, behandelt. Ich bekam fiebersenkende Mittel, Wadenwickel,  Einreibungen, musste schwitzen und inhalieren. Ein neues Präparat, Prontosil, eines der ersten Sulfonamide, wurde eingesetzt. Es half, löste aber eine zweite Krankheit…

Törichter Arzt (Amir Mortasawi)

Törichter Arzt (23.12.2019) Den Kapitalismus begreife ic1 als eine vielschichtige Lebensweise deren Kernstück der Privatbesitz an Produktionsmitteln ist  Wenn ich die vielfältigen Folgen dieser verbrecherischen Lebensweise mitunter beherzt behandle ohne deren Kernstück wahrzunehmen, eindeutig zu benennen und anzupacken verhalte ich mich im besten Falle wie ein törichter Arzt der die quälenden Anzeichen einer tödlichen Krankheit lindert ohne deren Ursachen tiefgründig anzugehen ֎֎֎   Amir Mortasawi Dr. med.Dr. med. Amir Mortasawi 1962 in Bam/Iran geboren wuchs ich in Teheran auf und…

✎ 2020 Bundesverband Deutscher Schriftstellerärzte (BDSÄ)