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Schlagwort: Medizin

Schäffer: Jeder Magen hat seinen Reiz. – Rezension (Dietrich Weller)

Heyne-Verlag, ISBN 978-3-453-20738-7, 18€, 284 Seiten Ein Chirurg (altgriech. Handwerk, Handarbeit) schreibt ein sehr gutes populärwissenschaftliches Buch. – Das ist der erste Satz, der mir bei der Charakterisierung dieses Buchs wichtig erscheint. Er ist auffallend und bemerkenswert, weil es wenige Chirurgen gibt, die gut lesbare und sehr informative Bücher für Nichtwissenschaftler schreiben. Da sind Allgemeinärzte, Kinderärzte, Neurologen, Internisten und Psychiater sehr viel literaturaffiner und schreibfreudiger. Ein weiterer Gesichtspunkt, der dieses Buch so lesenswert macht, ist Schäffers pragmatischer und im Praxisalltag…

Heilung im Schlaf (Waltrud Wamser-Krasznai)

   Die Inkubation, Heilschlaf, griechisch Enkoimesis, ist eine tragende Säule in der Medizin des antiken Hellas. Der Hilfesuchende hofft auf nächtliche Traumgesichte, in denen ihm die Gottheit erscheint und ihn in den  Möglichkeiten zur Linderung der Leibes- und Seelennöte unterweist. Dafür muss sich der Patient gründlich vorbereiten, Enthaltsamkeit üben,  kultische Waschungen vornehmen und natürlich Opfer bringen (De Abstinentia II 19, zit. nach Krug 1985, 130). Beim Kommen und Gehen sind Gebühren in einen Tresor, Thesauros, zu entrichten, adressiert z. B. …

The Art of Writing – Die Kunst des Schreibens (André Simon, übersetzt von Dietrich Weller)

                                                 The ART of WRITING What is the writer’s secret in creating a story? The writers possess an irresistible and insatiable aspiration to tear piece by piece the life events and the dreams from the darkness of non-existence. Finally, those pieces, like the “mosaic tiles”, are shaped and embedded in their texts, forever. This tenacity of the writers reminds of the way of the ants and their construction of an anthill in a busy place, where this structure is…

Da wir nun Ärzte sind

Da wir nun Ärzte sind – oder der Eid des Hippokrates 2021 (Klaus Kayser) Da wir nun Ärzte sindSind wir erfahrenMit Leid zu lebenDie ihr uns ausgebildetDas Leben zu bewahren.DennWir sind ein Teil von EuchDie Augen eures Sinns. Da wir nun Ärzte sindSetzen wir GrenzenDes überreichlichLeid klagenden GenussesAppetit  überfressen.WeilEuch gierige FreiheitAus den Gedärmen platzt. Da wir nun Ärzte sindMüssen wir handelnFrei von BedenkenDen Zucker zu nehmenVon dem Wahn der FreudeJetztDie Gier nach HeuteSonst seid  ihr morgenSinnlos vor Schmerzen blind. Da…

Bekenntnis (Amir Mortasawi)

Bekenntnis (7.10.2020) Wenn du mich fragstin diesen bedrückendenund gleichzeitig hoffnungsträchtigen Tagenin einer Zeitin der die Mächtigen alles unternehmenum menschliche Nähe und Berührungmit schlechtem Gewissen zu beladenund dass nicht nur bei unseren Kindernja, wenn du mich fragstwas das Leben istsage ich dir voller InbrunstDas Leben ist die Wärmemiteinander verbundener Herzen ֎֎֎ Amir Mortasawi Dr. med.Dr. med. Amir Mortasawi 1962 in Bam/Iran geboren wuchs ich in Teheran auf und besuchte dort eine iranische Grundschule. Nach Bestehen einer Aufnahmeprüfung gehörte ich zu den…

Der Rhythmus des Virus (Harald Rauchfuss)

Der Rhythmus des Virus Du Virus der schwarzen Nächte,du kreist um die Finsternis der Erde,und niemand sieht dich, niemand fühlt dich.Wir atmen und tanzen und schnappen nach Luftdie Tage zuvor, die Nächte danach. Der Forscher erfindet die Thesen,damit nicht ein Lichtstrahl den Andern beleuchte.Du Lichtstrahl des Ruhms, du tanzest den Tangoim finsteren Saal jener schwärzenden Nächte.Die Forscher verzögern den Ruhm. Am Morgen, am Mittag, am Abend und nachts:Wir atmen und tanzen und schnappen nach Luft.Die Forscher bewachen verschlüsselte Texte:Sie reden…

Waltrud Wamser-Krasznai: Über den Klumpfuß in Altertum und Neuzeit

    Aristodemos führt im zweiten Buch seiner spaßigen Erinnerungen aus: Dem Musiker Dorion, der einen Klumpfuß hatte, kam bei einem Symposion der Schuh des behinderten Fußes abhanden. Da sagte er, Ich will dem Dieb nichts Schlimmeres wünschen, als dass ihm der Schuh passt.Athenaios, Gelehrtenmahl 8, 338 a. ( 2./3. Jh. n. Chr.) Der angeborene Klumpfuß manifestiert sich in ein- bis drei Fällen auf 1000 Geburten, in ca. 50 % doppelseitig. Jungen sind mehr als zweimal so häufig betroffen wie Mädchen.…

Coronarien II (Gabriele Stotz-Ingenlath)

Azaleen Sie blühen eben im Verborgenen,                                                        unzugänglich: Die Gewächshäuser sind derzeit geschlossen wie Museen, vielbesuchte, engräumige. So entfalten sie sich üppig ungesehen, dem hiesigen Vorfrühling exotisch voraus, umsonst umgepflanzt aus dem Osten und gezüchtet in Abendlandböden – zu wessen Freude denn nun? Dabei bräuchten wir genau jetzt ihre Spur von Rosa im Dunkel, ihre Blütenkränze in der Begrenzung. Sind sie  auch schön ohne Betrachter? Urbi et orbi Mehr kann er nicht tun. Ein Äußerstes an Segen und Gebet – für…

Berechtigte Frage (Amir Mortasawi)

Berechtigte Frage (23.8.2020) Ullrich Mies gewidmet* Hoffentlich werden meine Enkelkinderwenn sie älter sindmir die berechtigte Frage stellenwas ich im Jahre 2020 gemacht habe Ich werde sie liebevoll umarmen und erzählenDas Leben ist der beste LehrmeisterDeshalb habe ich stets versuchtaus der Geschichte zu lernendie entscheidenden Eigentumsverhältnisse zu erfassenund deren Wirkung auf die laufenden GeschehnisseAufrichtig und sorgfältig habe ich hingeschautwie die Entscheidungsträger in unserer Gesellschaftsich bei den früheren Ereignissen verhalten habenbei der BSE, Schweinegrippe oder Vogelgrippebei Agende 2010 oder Hartz IVbeim Umgang…

Waltrud Wamser-Krasznai: Exophthalmus und Ptosis in der antiken Kunst

    Der Anblick eines vorgewölbten Augapfels/Bulbus bei antiken Figuren (Abb. 1) lässt engagierte Mediziner*innen  an das Symptom des Exophthalmus denken. Da den vielen in gleicher Weise gestalteten Augen bei archaischen Statuen gewiss keine krankhafte Bedeutung zukommt, wollen wir in entsprechenden Fällen die pathologisch stigmatisierte Bezeichnung Exophthalmus lieber in Gänsefüßchen setzen. Unter einer Ptosis verstehen wir bekanntlich ein auffallend weit herunter gezogenes Oberlid, das als Merkmal bei antiken Statuen[1] ebenfalls keinen Krankheitswert besitzt und daher mit  Anführungszeichen versehen werden soll.   …

✎ 2021 Bundesverband Deutscher Schriftstellerärzte (BDSÄ)