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Schlagwort: Medizin

Bekenntnis (Amir Mortasawi)

Bekenntnis (7.10.2020) Wenn du mich fragstin diesen bedrückendenund gleichzeitig hoffnungsträchtigen Tagenin einer Zeitin der die Mächtigen alles unternehmenum menschliche Nähe und Berührungmit schlechtem Gewissen zu beladenund dass nicht nur bei unseren Kindernja, wenn du mich fragstwas das Leben istsage ich dir voller InbrunstDas Leben ist die Wärmemiteinander verbundener Herzen ֎֎֎ Amir Mortasawi Dr. med.Dr. med. Amir Mortasawi 1962 in Bam/Iran geboren wuchs ich in Teheran auf und besuchte dort eine iranische Grundschule. Nach Bestehen einer Aufnahmeprüfung gehörte ich zu den…

Der Rhythmus des Virus (Harald Rauchfuss)

Der Rhythmus des Virus Du Virus der schwarzen Nächte,du kreist um die Finsternis der Erde,und niemand sieht dich, niemand fühlt dich.Wir atmen und tanzen und schnappen nach Luftdie Tage zuvor, die Nächte danach. Der Forscher erfindet die Thesen,damit nicht ein Lichtstrahl den Andern beleuchte.Du Lichtstrahl des Ruhms, du tanzest den Tangoim finsteren Saal jener schwärzenden Nächte.Die Forscher verzögern den Ruhm. Am Morgen, am Mittag, am Abend und nachts:Wir atmen und tanzen und schnappen nach Luft.Die Forscher bewachen verschlüsselte Texte:Sie reden…

Waltrud Wamser-Krasznai: Über den Klumpfuß in Altertum und Neuzeit

    Aristodemos führt im zweiten Buch seiner spaßigen Erinnerungen aus: Dem Musiker Dorion, der einen Klumpfuß hatte, kam bei einem Symposion der Schuh des behinderten Fußes abhanden. Da sagte er, Ich will dem Dieb nichts Schlimmeres wünschen, als dass ihm der Schuh passt.Athenaios, Gelehrtenmahl 8, 338 a. ( 2./3. Jh. n. Chr.) Der angeborene Klumpfuß manifestiert sich in ein- bis drei Fällen auf 1000 Geburten, in ca. 50 % doppelseitig. Jungen sind mehr als zweimal so häufig betroffen wie Mädchen.…

Coronarien II (Gabriele Stotz-Ingenlath)

Azaleen Sie blühen eben im Verborgenen,                                                        unzugänglich: Die Gewächshäuser sind derzeit geschlossen wie Museen, vielbesuchte, engräumige. So entfalten sie sich üppig ungesehen, dem hiesigen Vorfrühling exotisch voraus, umsonst umgepflanzt aus dem Osten und gezüchtet in Abendlandböden – zu wessen Freude denn nun? Dabei bräuchten wir genau jetzt ihre Spur von Rosa im Dunkel, ihre Blütenkränze in der Begrenzung. Sind sie  auch schön ohne Betrachter? Urbi et orbi Mehr kann er nicht tun. Ein Äußerstes an Segen und Gebet – für…

Berechtigte Frage (Amir Mortasawi)

Berechtigte Frage (23.8.2020) Ullrich Mies gewidmet* Hoffentlich werden meine Enkelkinderwenn sie älter sindmir die berechtigte Frage stellenwas ich im Jahre 2020 gemacht habe Ich werde sie liebevoll umarmen und erzählenDas Leben ist der beste LehrmeisterDeshalb habe ich stets versuchtaus der Geschichte zu lernendie entscheidenden Eigentumsverhältnisse zu erfassenund deren Wirkung auf die laufenden GeschehnisseAufrichtig und sorgfältig habe ich hingeschautwie die Entscheidungsträger in unserer Gesellschaftsich bei den früheren Ereignissen verhalten habenbei der BSE, Schweinegrippe oder Vogelgrippebei Agende 2010 oder Hartz IVbeim Umgang…

Waltrud Wamser-Krasznai: Exophthalmus und Ptosis

    Der Anblick eines vorgewölbten Augapfels/Bulbus bei antiken Figuren (Abb. 1) lässt engagierte Mediziner*innen  an das Symptom des Exophthalmus denken. Da den vielen in gleicher Weise gestalteten Augen bei archaischen Statuen gewiss keine krankhafte Bedeutung zukommt, wollen wir in entsprechenden Fällen die pathologisch stigmatisierte Bezeichnung Exophthalmus lieber in Gänsefüßchen setzen. Unter einer Ptosis verstehen wir bekanntlich ein auffallend weit herunter gezogenes Oberlid, das als Merkmal bei antiken Statuen[1] ebenfalls keinen Krankheitswert besitzt und daher mit  Anführungszeichen versehen werden soll.   …

Corona Pandemie (Renate Myketiuk)

König Corona, du fremdes, so seltsames Wesen,wir Kranken, wir haben es schwer, recht bald zu genesen.Vom fernen Osten, da kamst du ganz flott angeritten,bist mächtig und stark, zum Fürchten ganz unbestritten.Und wir sind hilflos, können dich einfach nicht fassen;und können die Arbeit doch niemals ganz lassen. Du winziges Wesen, so kugelrund,voll Stacheln, du treibst uns in den Todesschlund.Hast dich versteckt wie eine Krimi-Bande,jetzt brichst du aus und ziehst durch die Lande.Du fragst nicht, ob ein jeder dich auch mag,du greifst…

Macht und Ohnmacht in der Medizin (Dietrich Weller)

Schon als Schüler erlebte ich regelmäßig in der Kinderarztpraxis meines Vaters Grundlagen der Behandlung. Die Höhensonne sollte die Aufnahme von Vitamin D fördern, das die Kinder – auch meine Schwester und ich!- als scheußlichen Lebertran essen mussten. Wunden nähte mein Vater mit sterilen Fäden, die er in kleinen Fläschchen aufbewahrte. Ich durfte sogar manchmal den Faden abschneiden. Jeder Faden musste einzeln in die Klemmhaltung der Nadel eingefädelt werden. – Die Nadeln bewahrte Vater in einer Dose auf, die mit dem…

Meine Streifzüge durch die Medizin (Dietrich Weller)

Schon als Schüler erlebte ich regelmäßig in der Kinderarztpraxis meines Vaters Grundlagen der Behandlung. Die Höhensonne sollte die Aufnahme von Vitamin D fördern, das die Kinder – auch meine Schwester und ich!- als scheußlichen Lebertran essen mussten. Wunden nähte mein Vater mit sterilen Fäden, die er in kleinen Fläschchen aufbewahrte. Ich durfte sogar manchmal den Faden abschneiden. Jeder Faden musste einzeln in die Klemmhaltung der Nadel eingefädelt werden. – Die Nadeln bewahrte Vater in einer Dose auf, die mit dem…

Das Killer-Gen und der Populismus (Dietrich Weller)

Viele Menschen versuchen, ihr eigenes mangelndes Selbstwertgefühl zu verbessern, indem sie ihre Mitmenschen hetzen, demütigen, beleidigen, als minderwertig darstellen oder in irgendeiner anderen Weise herabsetzen. Es ist ja sehr einfach, am Anderen Fehler zu entdecken und zu kritisieren. Dass wir diese nur entdecken können, weil wir sie in der Anlage selbst auch besitzen, wird meist großzügig übersehen. Die Logik dahinter ist einfach: Wenn der Andere meiner Meinung nach weniger wert ist als ich, bin ich „sozial mehr wert“. Der scheinbare…

✎ 2020 Bundesverband Deutscher Schriftstellerärzte (BDSÄ)