Schlagwort: Natur

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    Schuld war der Hexenmeister Kaschmitutur.

    Meine Frau und ich, wir sind seit Jahren glücklich verheiratet, machten einen Spaziergang in der nahe gelegenen Heide. Wir wollten den Wiedehopf beobachten, der bei uns wieder heimisch geworden sein soll.

    Als wir uns auf die Suche begeben wollten, rief es aus einer nahen Tanne: „Oh, ihr Schönen, ihr sucht gewiss nach mir.“

    Es war der Wiedehopf, der da sprach und aus der Tanne hervor sah. Ich fragte erstaunt: „Wie kommt es, dass du sprechen kannst?“

    Und während ich auf die Antwort wartete, wurde aus dem bunten Vogel, bekannt als Sinnbild für Dämonen und Teufel, in der Antike auch für Wiedergeburt und Auferstehung, ein schwarz gekleideter Geselle mit grauem Vollbart und finsterem Blick.

    Er packte meine Frau am Arm und sagte barsch: „Folge mir. Ich bin so allein.“

    „Ich bin vergeben!“, erwiderte meine Frau.

    Und er: „Dein Mann ist noch jung genug. Er findet ohne Mühe eine andere.“

    „Nein“, sagte meine Frau entschieden.

    Da rief er: „Dann muss ich dich in einen Frosch verwandeln!“

    Und das tat er.

    Ich bat und bettelte, er möge die Verwandlung rückgängig machen. Als mir die Tränen kamen, willigte er ein: „Aber nur, wenn du mir den Stein der Weisen bringst. Ihn besaß einst der mächtige Maharadscha von Agra.“

    „Agra? Wo ist denn das?“

    „Dummkopf. In Indien natürlich!“

    „Und warum gerade den Stein der Weisen?“

    „Noch einmal Dummkopf! Weil man ihn zur Herstellung von Gold benötigt. Und weil er ewiges Leben verleiht.“

    Diese Worte krächzte er, denn er hatte sich wieder in einen Wiedehopf verwandelt und flatterte davon, einen unangenehmen Geruch hinterlassend. Da brachte ich den Frosch vorsichtig zu unserem Gartenteich. Ich sagte zu ihm:

    „Sei nicht traurig. Ich fahre jetzt nach Indien und komme mit dem Edelstein zurück. Und dann sind wir wieder als Mann und Frau zusammen.“

    Ich schiffte mich in Hamburg am Auswanderer-Kai ein, nahm die Route um das Kap der Guten Hoffnung, durchquerte den Indischen Ozean, vorbei an Madagaskar, und ging in Kalkutta von Bord.

    Von dort flog ich nach Delhi, besichtigte die Stadt.

    Im Hotel begrüßte mich ein Musiker. Er spielte auf einer besonderen Art von Laute. Mir zu Ehren spielte er die deutsche Nationalhymne. Das war mir unangenehm wegen unserer deutschen Vergangenheit. Deutschland über alles in der Welt! Aber dann merkte ich, dass er einen anderen Text zu der Melodie von Haydn sang, nämlich den von J. R. Becher.

    Ich sah den reichsten Reichtum und die ärmste Armut. Im Gespräch mit einem Reiseführer fragte ich nach der Unzufriedenheit der Armen, die auf der Straße leben und, wenn sie nicht ganz arm sind, unter einer Plasteplane schlafen. Der Reiseführer sagte mir: „Wer die Freiheit nicht kennt, vermisst sie auch nicht.“

    Ja, dachte ich, so hoffen die Unterdrücker. Denn es geht auch anders: Wer die Freiheit nicht kennt, sehnt sich nach ihr. Und er kämpft, bis er sie hat. Das fürchten die Unterdrücker.

    Abends im Hotel erlebte ich eine Hochzeit …

    Ich fuhr mit der Eisenbahn, dem Bus, einer Fahrrad-Rikscha, auf dem Ochsenkarren, in einem Boot. Und ich ritt auf einem Elefanten.

    Ich sah die schönsten Moscheen, Tempel und Kirchen. Und natürlich das schönste Grabmal der Welt: Taj Mahal.

    Die Toleranz der Religionen untereinander beeindruckte mich.

    Ich lernte den primären Buddhismus kennen.

    Auf einer Safari morgens um sechs Uhr sahen wir einen Tiger. Man munkelte zwar, hier seien die Tiger schon seit 10 Jahren ausgestorben, was man den Touristen natürlich nicht erzählte. Aber ich habe ihn deutlich gesehen, voller Kraft und Wildheit, mit der Würde einer Königin, die sich auch im Dunkeln problemlos zurechtfindet.

    Ich musste mich durch eine Masse von Bettlern kämpfen, als ich auf dem Weg zum Leichenverbrennungsplatz war.

    Die Asche kommt in den Ganges.

    Heilige Rinder, heiliger Fluss, schöne Menschen.

    Ich dachte über Anfang und Ende nach. Die Urne ist beides. Den Uterus kann man auch als solche ansehen.

    Am Ende ist man wieder in der Urne. Der Kreis schließt sich.

    Sexuell stimulierende Darstellungen in Stein. Sodomie.

    Darstellung hüftschwingender Frauen. Ich kaufte auf dem Markt für meine Frau mehrere Seidenschals, Schmuck, Kleidung und eine Vase aus Bronze. Am Schmuckstand war der Stein des Maharadschas von Agra in verschiedenen Ausfertigungen zuhaben, garantiert antik, wie der Verkäufer sagte. Ich nahm den größten. Dann hatte ich keine Rupien mehr.

    Jetzt roch ich den Duft von Jasmin, hörte Vogelgezwitscher und einen Gong. Ja, gibt es denn das? Ich war auf einem Teppich unterwegs, zum Himmel aufgestiegen. Schon sah ich die Heide. Rasch legte ich den Stein an der alten Tanne nieder. Und ich fügte ein Amulett mit dem Abbild des Wiedehopfs hinzu. Sicher ist sicher. So ein Amulett schützt davor, in der Nacht die Geheimnisse des Tages preiszugeben. Für mich hatte ich auf dem Basar auch eins gekauft. Dann wurde ich wach.

    Meine Frau, keine Spur von einem Frosch, rief mich zum Frühstück. Sie hatte den Tisch auf der Terrasse gedeckt, denjenigen aus Marmor mit Einlegearbeiten. Wir hatten ihn vor Jahren aus Mumbai kommen lassen.

    Die Sonne lachte vom Himmel. Sie strahlte den kleinen geschnitzten Elefanten an, der weiß leuchtete.

    Die Goldfische tummelten sich im Teich zwischen den Seerosen und ließen sich auch nicht von den Fröschen stören.

    Der Goldfelberich strahlte in seinem schönsten Gelb.

    Die Schwalben zwitscherten und das Rotschwänzchen warnte aufgeregt vor unserem getigerten Kater.

    Meine Frau hatte einen Sari angelegt und einen Seidenschal um den Hals geschlungen. Der kleine Leberfleck in der Mitte ihrer Stirn hatte ein besonderes Leuchten, ebenso wie das leicht grünstichige Karamellbraun ihrer Augen. Und sie fragte mit ihrer weichen Stimme: „Mein Liebster, hattest du einen schönen Traum?“

     

    Copyright Dr. Jürgen Rogge

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    Da sitz ich nun, ich armer Tor
    auf einem harten Steine.
    Ich bin so schlau als wie zuvor
    und denke Bein auf Beine:

    Was ich gewann, was ich verlor,
    was bleibt, was sei das meine.
    Was ich im Leben alles schwor,
    zu kennen, wissen um die kleine

    Ewigkeit, die mir jetzt sagt:
    Nichts ist gerade, nichts ist krumm.
    Der Alte so aus Weimar klagt,
    auch Vogelwalthers Lied bleibt stumm.

    Ich aber sage frech und frei:
    Gedanken können alles biegen.
    Da ist ein Nichts, und Nichts das sei
    nur in Gedanken zu besiegen.

    Copyright Prof. Dr. Dr. Kayser

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    Ich stieg zu den Gräbern am Nachmittag,
    Gräber geborgen in Fels und in Stein.
    Die sengende Sonne im Sterben lag,
    graurot und wärmend ihr sinkender Schein.

    Die Gräber so kühl, so sauber und leer
    nur Bänke und kein vergessener Sarg.
    Mein Blick streift weit über das ruhende Meer,
    die Felder vertrocknet, geerntet und karg,

    und windet sich dann die Felsen hinauf
    und klettert und klettert und findet nicht Halt
    und fällt tief im wilden verzweifelten Lauf –
    ihn rettet die Rose im lichtdunklen Spalt.

    Du Rose, Du rote, blühst Rose so rot
    über Gräbern aus heut vergessener Zeit.
    Mein Herz, meine Liebe, Du Rose so rot,
    so rettest Du mich in die Ewigkeit.

    Copyright Prof. Dr. Dr. Kayser

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    So eile ich nun mit quälendem Schritt
    zum Gipfel den Berg hinauf.
    Hunger und Sehnsüchte eilen mit,
    hemmen nicht den drängenden Lauf.

    Vergessen die sprudelnden Wasser im Tal,
    die leuchtenden Blüten zu Zweit,
    der trunkene Becher im nächtlichen Saal,
    der Eltern treues Geleit.

    Oben am Gipfel reckt sich ein Baum
    kahl und dürr in die Nacht.
    Um ihn Wiesen, glanzloser Schaum,
    wehrlos in graubrauner Pracht.

    Er aber trotzt im Tode noch starr
    dem Sturm und der Zeiten Lauf.
    Wie er im Leben gewachsen war,
    gestorben gibt er nicht auf.

     

    Copyright Prof. Dr. Dr. Klaus Kayser

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    Es regnet leise, eine stille Pause,
    im Regen hat sich Gold gelöst,
    als er so vor sich hin gedöst,
    veredelt gehe ich nach Hause.

    Auch hier hat alles einen güldnen Hauch:
    die Blumen, Bücher, sogar heißer Tee
    und jenes Bild vom goldnen See,
    mein großer Spiegel funkelt auch.

    Eins von den Wundern meiner Welt,
    die reich von Gold umflossen ist,
    in meinen Augen wohnt ein Alchimist,
    der das erschafft, was ihm gefällt.

     

    Copyright Barbara Kromphardt

     

  • Ich habe heute Morgen
    meinen Hund gestreichelt
    er schaute mich so traurig an
    denn ich wollte
    jetzt noch nicht
    raus in den nassen Sommermorgen

    Ich habe durstig
    gierig fast
    die erste Tasse Tee getrunken
    und dann
    erfreute mich
    der Apfel
    mit Farbe Form
    Geruch Geschmack

    Ich freute mich
    dass ich
    immer noch
    in den Apfel beißen kann
    Obwohl mein Körper
    mit aller Schwere
    mich niederzog
    schwer und unbeweglich
    freute ich mich dann
    als langsam
    alle Glieder wieder
    beweglich wurden

    Noch immer bin ich müde
    doch auch dankbar
    und ich frage mich
    ob meine- Freude
    nicht viel mehr bewirkt
    als das
    was ich vielleicht
    noch so zu tun gedenke
    natürlich Nützliches
    an diesem Tag

     

    Copyright Dr. Helga Thomas

     

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    Alle Welt
    berichtet schreibt
    und forscht
    übers Wasser

    Warum nicht ich?

    Alle Welt
    wirklich alles
    nicht nur Leben
    braucht das Wasser
    so wie auch ich

    Doch welches Wasser
    meinen sie
    welches Wasser
    meine ich?

    Das Wasser
    das vom Himmel fällt
    aus der tiefen Erde dringt?
    Die Welt umarmend
    sie durchfließt?

    Als Brunnen
    Mensch und Tiere tränkt
    als See
    dem Himmel
    Berg und Baum
    als Spiegel dient?

    Das in seinem
    Auf und Ab
    und Hin und Her
    der Seele gleicht?

    Das Wasser
    das in meinem Auge
    von vergangener Liebe spricht?

    Das Wasser
    das in jedem Körper
    kreist?

    Unsichtbar kurz vor Herbstbeginn
    als Nebel
    sich über alle Dinge legt?

    Genauso unsichtbar
    verlässt es als leichter Hauch
    meine Haut
    und verbindet mich
    atemgleich
    mit aller Welt

    Welches Wasser
    es auch immer ist
    es gibt sich hin
    es passt sich an
    formlos
    füllt es jede Form
    und sucht doch immer
    seine eigne Mitte
    und ist doch immer
    ganz sich selbst
     

    Copyright Dr. Helga Thomas

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    Schwäne sah ich auf dem Wasser
    sie schwammen nicht
    sie tauchten nicht
    sie waren einfach da
    wie das Wasser
    das in sich ruhend
    unbemerkt
    stetig weiter floss

    Nur das Spiegelbild
    von Baum und Haus
    vibrierte sanft
    als wollte es
    mit dem Wasser weiter fließen

    Schwäne sah ich auf dem Wasser
    Sie waren einfach da

    Ob ich es wohl von ihnen lerne
    wenn ich von nun an
    jeden Tag
    mich an sie erinnere?

     

    Copyright Dr. Helga Thomas

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    Der Krokus
    krokt hervor
    der Frost, der muss
    sich schütteln, armer Tor.

    Hokus, Krokus, Frühlibus,
    der Winter kauft den Schluss.

    Schneewittchen
    und Schneeglöckchen
    diese beiden Flittchen
    tragen grüne Röckchen.

    Hokus Krokus simsalim,
    war der Winter wieder schlimm.

    Die Kätzchen weiden
    unter Weidenkätzchen
    und wie diese beiden,
    auch du, mein Schätzchen.

    Hokus Krokus Mausepeck,
    der Frühling lugt ums Eck.

    Der Floh
    springt froh
    wie auch die anderen Flöhe
    lustvoll in die Höhe.

    Hokus Krokus Löffelstiel,
    viel zu wenig ist nicht viel.

    Es klappern die Zähne
    klipp klapp,
    und plappern die Schwäne
    papperlapp.

    Hokus Krokus weh und ach,
    was klappert da am Rauschebach?

    Mancher Apfel, lehrt das Pferd,
    ist bei Hunger ganz verkehrt.
    In solcher Lage eignet sich
    weitaus besser Bienenstich.

    Hokus Krokus Ringelreih,
    Kinder, kommt nur schnell herbei.

    Bei Hunger, sagt ein Märchen,
    frisst der Leipz’ger Lerchen,
    was wiederum den Schwan empört,
    wenn er es in Schlesien hört.

    Hokus Krokus lirium,
    das Lied, das ist bald um.

    Die Mücke sticht,
    der Vogel kackt
    idyllisch ist es nicht,
    wenn die Natur dich packt.

    Hokus Krokus ditschen datschen,
    dreimal hoch die Fliegenklatschen!

    Copyright Dr. Eberhard Grundmann

     

  • Reinhart-Kemm-Bild zu Choral Bild von Ute Reinhart-Kemm

    Choral

    Heil’ge Sonne, unser Leben,
     Ursprung – Ende allen Seins.
     Tag und Nacht, die du gegeben,
     Unser Dasein – mit dir eins.


    Licht verglüht zu Finsternis,
    Das die Dunkelheit zerriss.
    Schreiten mit dir durch´s Tor der Zeiten,
    Teil von dir in Ewigkeiten.

    Aus: „Hell und Dunkel“, Privatdruck, Bremen 2012

    Copyright Dr. Wilfried Dinter