Kategorie: Gedichte

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    Acht tage war
    der rechner lahm
    totenstill
    totenkalt
    draussen blieb
    die welt
    unerreichbar
    das gedächtnis.

    Jetzt ist er
    auferweckt
    sein kleines herz
    schlägt für mich
    achthundert
    millionen mal
    in der sekunde
    fröhlich blinken
    die lämpchen
    behaglich schnurrt
    die platte
    der lüfter atmet frei
    wohlige wärme
    verströmend.

    Noch hangelt er
    unbeholfen
    durch bäume
    und programme
    viel zuwendung
    heischend und
    jeden tag geläufiger.
     

    Copyright Dr. Eberhard Grundmann

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    Der Krokus
    krokt hervor
    der Frost, der muss
    sich schütteln, armer Tor.

    Hokus, Krokus, Frühlibus,
    der Winter kauft den Schluss.

    Schneewittchen
    und Schneeglöckchen
    diese beiden Flittchen
    tragen grüne Röckchen.

    Hokus Krokus simsalim,
    war der Winter wieder schlimm.

    Die Kätzchen weiden
    unter Weidenkätzchen
    und wie diese beiden,
    auch du, mein Schätzchen.

    Hokus Krokus Mausepeck,
    der Frühling lugt ums Eck.

    Der Floh
    springt froh
    wie auch die anderen Flöhe
    lustvoll in die Höhe.

    Hokus Krokus Löffelstiel,
    viel zu wenig ist nicht viel.

    Es klappern die Zähne
    klipp klapp,
    und plappern die Schwäne
    papperlapp.

    Hokus Krokus weh und ach,
    was klappert da am Rauschebach?

    Mancher Apfel, lehrt das Pferd,
    ist bei Hunger ganz verkehrt.
    In solcher Lage eignet sich
    weitaus besser Bienenstich.

    Hokus Krokus Ringelreih,
    Kinder, kommt nur schnell herbei.

    Bei Hunger, sagt ein Märchen,
    frisst der Leipz’ger Lerchen,
    was wiederum den Schwan empört,
    wenn er es in Schlesien hört.

    Hokus Krokus lirium,
    das Lied, das ist bald um.

    Die Mücke sticht,
    der Vogel kackt
    idyllisch ist es nicht,
    wenn die Natur dich packt.

    Hokus Krokus ditschen datschen,
    dreimal hoch die Fliegenklatschen!

    Copyright Dr. Eberhard Grundmann

     

  • Reinhart-Kemm-Bild zu Choral Bild von Ute Reinhart-Kemm

    Choral

    Heil’ge Sonne, unser Leben,
     Ursprung – Ende allen Seins.
     Tag und Nacht, die du gegeben,
     Unser Dasein – mit dir eins.


    Licht verglüht zu Finsternis,
    Das die Dunkelheit zerriss.
    Schreiten mit dir durch´s Tor der Zeiten,
    Teil von dir in Ewigkeiten.

    Aus: „Hell und Dunkel“, Privatdruck, Bremen 2012

    Copyright Dr. Wilfried Dinter

  • Frühe Flucht blüht und erstarrt – Terra incognita, Albwinter.
    Sehnsucht nach Eisgang – Weite Küste, Traumwirklichkeit.
    Lähmendes Daseinsjoch, erstickende Erdgebundenheit –
    Und dennoch:
    Stunde des Pan, Felsenwasser, Stauwehr und:
    Sieg der Natur!
    Lebensmittag in südlicher Sonne, Meeresweite und neue Fluchten.
    Reptilien durchbrechen den Panzer.
    Wiedergeborene Insekten in Steinen ohne Zeit,
    Ammoniten, glühende Katzenaugen, Höhlenbär.
    Herbstliches Ahnen und Hoffen.
    Reife und Ernte.
    Nordmeersturm ruft.
    Lohendes Herbstfeuer befreit.
    Winterabend im Hafen.
    Heimkehr ins Ungewisse.

    Aus: „Hell und Dunkel“, Privatdruck, Bremen 2012

    Copyright Dr. Wilfried Dinter

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    Keltenschlange –
    Aus kalter Erde keimt dein Leben,
    Erst Drache,
    Dann himmelwärts, beflügelt.
    Zu nah der Sonne,
    Tödlich verbrannt,
    Kehrst du zur Erde zurück
    Und wirst auf`s Neue –
    Wiedergeboren.

    Aus: „Hell und Dunkel“, Privatdruck, Bremen 2012

    Copyright Dr. Wilfried Dinter

  • Somatische Mutation = Veränderung der Erbsubstanz von Körperzellen,
    die z. B. Sommersprossen zugrunde liegt)

    Frau Dr. R. hat einen Mann,
    sie hat zwei kleine Kinder,
    die liebt sie sehr, so oft sie kann,
    und ihren Mann nicht minder.

    Letzterer kommt heut spät nach Haus,
    viel später als gewöhnlich,
    denn eine kleine weiße Maus
    hatte er höchstpersönlich

    Im Zoogeschäft der Stadt gekauft,
    statt Blumen – es ist Winter –
    und auf den Namen Max getauft,
    zur Freude für die Kinder.

    Die Freude ist auch riesengroß
    über das Tier im Kasten,
    doch plötzlich geht der Teufel los,
    beginnt ein wildes Hasten.

    Die Maus ist aus dem Bau gehupft,
    trotz Mohrrübe und Rettich,
    und der Papa, darob verschnupft,
    begibt sich auf den Teppich.

    Und als er sie hervorgelockt
    unter der Fernsehtruhe,
    und sie nun zitternd vor ihm hockt,
    wird endlich wieder Ruhe.

    Nur die Mama, die Frau Doktor,
    scheint noch wie aus dem Häuschen,
    weil just das Tier, das kurz zuvor
    weiß war, ein graues Mäuschen

    Geworden ist. Welch Sensation!
    Sie jubelt: „Das ist sicher
    eine plötzliche Mutation!“
    Der Mann macht: „Kicher, kicher“.

    „Ja eine Publikation
    für die ‚Versuchstierkunde’
    schreib ich!“ Sie sucht die Worte schon
    und blickt froh in die Runde.

    Der Mann, der nicht so sehr gelehrt,
    ihr jeden Gegenblick verwehrt
    und murrt: „Das kommt, wenn alle Ecken
    bei uns so fürchterlich verdrecken.“

    Frau Doktor hat wohl nichts entdeckt.
    Das Ganze war ein Dreckeffekt.

     

    Copyright Prof. Dr. Paul Rother

  • Ein Blick von dir, oh, meine Mutter, sagt,
    dass du erwünscht mich hast, du bist voll Glück.
    Ob  mein Gesicht gefällt – hab´s nicht erfragt,
    genieß ich doch Vertrauen durch den Blick.
    Wenn du mich anblickst, weiß ich deine Libe´;
    und ich gedeih und wachse mit Vertrau´n.
    Bis ich gereift, sag ich stets gibt, ach gib!
    Wenn du mich anblickst, mag ich dich nur schau´n.

    Wo wär ich nur, wenn töten könnt´ dein Blick?
    Was habe ich getan, dass du voll Zorn;
    hab ich dich krank gemacht, weil ich zurück?
    Weil ich von hinten schöner bin als vorn?
    Dein hasserfüllter Blick, ach, bleib mir fern!
    Verachtest stets ein Du. Hast du dich gern?

     

    Copyright Dr. Renate Myketiuk

  • Ach, Augenblick, wie nah bist du,
    schaffst Glück und Unglück ganz geschwind.
    Verschwindest heimlich dann im Nu
    und wehst umher, wie sonst der Wind.
    im Augenblick schürst du die Glut,
    voll Freude schneller schlägt das Herz,
    ein Augenblick bringt Sturmesflut,
    die Seel´erstarrt im Eisesschmerz.

     

    Copyright Dr. Renate Myketiuk

     

  • Finsternis schwelte über der schlammigen, sumpfigen Tiefe;
    Blasen voll Gase erhoben sich langsam aus kochenden Quellen;
    Welches geheime Geschehen passierte im Innern der Welt?
    Brodelnd und hitzig wurden in Freiheit gesetzt Elemente.

    Doch, unserm Schöpfer der Welt gefiel diese Düsternis nicht mehr;
    Und er besetzte den Himmel mit Mond und der Sonne und Sternen.
    Welch eine Tat, ein besonderer Tag, am Anfang der Schöpfung!
    Helligkeit wogte über dem ruhelosen, urhaften Lande.

    Dann aber dachte der Schöpfer, das Licht nun verlange nach Augen;
    und er beschaute ein Hirn, dann stülpte heraus er zwei Teilchen.
    So wurden Augen, ein Wunder der Schöpfungempfindsam für Licht. 
    Beide, das Licht und das Auge, sind für einander geschaffen.

     

    Copyright Dr. Renate Myketiuk

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    Ich bin die schöne Frau Gelassenheit,
    bin fröhlich, schätze stets die Heiterkeit.

    Wenn eine Last dich quält, und du wirst krank,
    feg nicht umher, sie holt dich wieder ein;
    setz dich ganz still auf eine kleine Bank,
    leg ab die Packen, leer ein Gläschen Wein.

    Denk nach, ob sie für dich bestimmt nur sind,
    ob nicht ein andrer Arbeit sucht geschwind?

    Wenn jemand widerspricht, wird’s dir zur Last;
    bist tief verletzt, weinst still in dich hinein?
    Halt ein, jag nicht umher, mach eine Rast.
    Vielleicht ist jener andere grad klein.

    Machs möglich, dass auch er ein wenig wächst;
    du wirst bestimmt für ihn sein dann der Nächst.

    Und dein Gesicht wird froh, du kannst verstehn;
    du weinst nicht mehr, denn Friede kehrte ein.
    Du wirst die Bitterkeit nun nicht mehr sehn;
    du ließest los und kannst jetzt glücklich sein.

    Bin Frau Gelassenheit, bin stets bereit,
    zu lehren die mit Dank verschlungne Heiterkeit.

     

    Copyright Dr. Renate Myketiuk)