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Was du heute kannst besorgen
Verschiebe ruhig dir auf morgen.
Denn morgen wird ein neuer Tag,
Der das Verschieben sicher mag.
Der Kuckuck ruft dich übermorgen.
Er kann artgerecht entsorgen,
Sein Verschiebekuckucksei
Ins Nest legen und nebenbei
Erklären nach der Ausbrutzeit
Halte dich erneut bereit:
Was du heute kannst besorgen
Verschiebe ich dir cool auf Morgen.
Denn Morgen kommt ein neuer Tag
Nach dem Ausbrutflügelschlag.
Er verschiebt auf übermorgen.
Wird dir artgerecht besorgen
Das Verschiebekuckucksei
Im Nest ausbrüten, nebenbei
Nach der Kuckucksausbrutzeit
Ist er für dich erneut bereit
Dir auf Morgen zu verschieben
Was in deinem Nest geblieben.
Und übermorgen kommt der Tag,
den der Kuckuck wirklich mag.
Er wird dir Zeit und Freude borgen.
Wird dir artgerecht entsorgen
Dies und das und allerlei
Mit dem Verschiebekuckucksei.
Deshalb sei froh und ohne Sorgen
Was du heute kannst besorgen,
…und so geht es heiter
immer morgen, immer weiter… -
Betrachtet wird die Kindersterblichkeit im 19. Jahrhundert und hier speziell auch auf die Mortalität der Scharlacherkrankungen eingegangen. Diese hatten sich in Deutschland und speziell auch 1832/33 in Erlangen, dem Wohnort und der Wirkungsstätte des Orientalisten und Dichters Friedrich Rückerts ausgebreitet. Zwei der fünf in der Familie lebenden Kindern verstarben 1833 an Scharlach und inspirierten Friedrich Rückert zu seiner mehr als 400 Verse umfassenden Kindertodtenlieder -Dichtung. Anhand der Analyse des dichterischen Werkes und von Aufzeichnungen der Mutter wird über den Verlauf der Erkrankung bei den Kindern aus medizinhistorischer Sicht berichtet. Auch wird auf den Scharlachtod von Kindern von Clemens Brentano, Gustav Mahler und des Berliner Baumeisters Hoffmann hingewiesen. Die Mängel der Medizin der Zeit werden aufgezeigt und die Trauerarbeit im 19. Jahrhundert mit unserem Jahrhundert verglichen. Das gesamte dichterische Werk von Friedrich Rückert, das er für seine verstorbenen Kinder Luise (3 Jahre) und Ernst (5 Jahre) geschaffen hat, steht unter dem Credo: “ Ihr habt nicht umsonst gelebt“.
Kindstod im 19. Jahrhundert (Volker Hesse)
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Johann Wolfgang von Goethe empfand sich nicht nur als Dichter, sondern unter anderem vor allem auch als Naturwissenschaftler. Das Streben nach Naturerkenntnis nach dem, „was die Welt im Innersten zusammenhält“, hat ihn sein ganzes Leben beschäftigt und begleitet. Die Bedeutung der Wissenschaft ist für ihn hochrangig:
„Die Wissenschaft hilft uns vor allem, daß sie dem immer mehr gesteigerten Leben neue Fertigkeiten erwecke zur Abwendung des Schädlichen und Einleitung des Nutzbaren“.
Naturwissenschaftliche Erkenntnis erwarb Goethe bereits während seines Studiums, vertiefen könnte er sie später vor allem im Verbund mit Fachpersönlichkeiten und Spezialisten der Jenaer Universität. Der Schrift informiert über Goethes Beziehungen zu den Vertretern der Fachbereiche Botanik, Geologie, Mineralogie, Chemie, Physik, der Anatomie und Medizin. Seine Laboratorium-Szene im Faust II, mit der Erschaffung des künstlichen Menschen, des Homunculus, geht auf aktuelle naturwissenschaftliche Kenntnisse Goethes zurück.
Aus seinem Studium der Naturwissenschaften zieht Goethe folgendes Resümee:
„Ohne meine Bemühungen, in den Naturwissenschaften hätte ich die Menschen nie kennengelernt, wie sie sind … der Mensch muß fähig sein sich zur höchsten Vernunft erheben zu können, um an die Gottheit zu rühren, die sich in Urphänomenen, physischen, wie sittlichen offenbaret —“.Goethes Jenaer naturwissenschaftliche Lehrer und Partner (Volker Hesse)
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Vor einiger Zeit las ich ein besonders schönes Buch, in dem russische Erzählungen von Gogol, Tolstoi, Tschechow und Turgenjew vorgestellt und besprochen werden. Man lernt in diesem Buch, wie gute Geschichten funktionieren, wie man sie schreibt, und was sie uns über unsere Welt erzählen.
Man lernt, dass gute Literatur moralische Einstellungen beeinflussen und das Leben verändern kann, so ein Rezensent. Stimmt.
Die Szene, „bei Regen in einem Teich schwimmen“ entstammt der Erzählung „Stachelbeeren“ von Anton Tschechow aus dem Jahre 1898, sie hat dem Buch von George Saunders den Namen gegeben.
Daran denke ich, als wir am 9. September 2022 im Regen von Worpswede die Hamme hinunterrudern.
Eigentlich wollte ich an diesem Wochenende mit dem Schwager auf dem Kummerower See segeln, die Tour wurde wegen eines herannahenden großen Tiefdruckgebietes abgesagt.
Viel Regen und kein Wind, das wäre tatsächlich ungünstig gewesen.
Das Tief ist da. Es regnet. Dennoch freue ich mich: Ich friere nicht im Ruderboot – durch die Muskelarbeit, wir rudern trotz der Nässe im Takt, lediglich die Griffe der Skulls sind durch das Wasser etwas rutschig, was beim Einsetzen und Aushebeln stört.
Ich sehe vor meinem inneren Auge, wie der trockene Wandboden fast widerspenstig das Wasser aufnimmt, wie der Waldbrand unter dem Brocken im Hochharz langsam gelöscht wird, und wie der verbrannte Rasen in unserem Garten zu neuem Leben erwacht. Dem Jahrhundertsommer wird eine Abkühlung gegönnt.
Mitten in dieser Abkühlung rudern wir freudig im Regen auf der Hamme – und erst an Land werden uns der Ukraine-Krieg, die Energiekrise und die Klimakatastrophe wieder einholen, wohl gegen 20 Uhr.
Literatur:
Die Stachelbeeren
Anton Tschechow, Russkaja Mysl, August 1898
Bei Regen in einem Teich schwimmen
George Saunders, Luchterhand 2022 -

Nachtigall SLEEPY HEAD
I am a singing bird. Unlike other birds, my singing can be heard also during the nights. During the day, I sleep on a tree branch, hidden between leaves. Day after day of sleepless nights, I have difficulty to get to sleep at sunrise. Each dawn birds start to sing with others joining in chorus, and they sing all day long.
Therefore, I asked my friend Owl for an explanation why so!
«My dear Owl, you are destined to be silent the whole night long. Why should I sing during the night, and be tired and sleepy during the day?»
«Dear Nightingale, you are well known as an excellent songster honored by all birds. One of the most enchanting experiences for me is; to listen to your singing. Especially, on warm summer nights, you’re singing is marvelous. In the night silence reigns, therefore your tunes are heard over the great distances. Also singing at night does not interfere with feeding times. During the night, birds are unable to detect insects, which are their main food.I am a permanent resident of a great forest. All birds are seasonal dwellers. Once the rains and snow times arrive, all small birds fly far away. First to depart are the nightingales. When the flowers bloom again, the birds return to breed in the forests. The first arrivals are the nightingales. They are able to advertise the importance of territory and later mate finding. This may be important for a bird that is quite choosy about its place of living, mating and breeding. On their return during the night, the birds orientate themselves following your clear and loud tunes. Your nightly songs are a guiding light for new friends. The incoming birds are grateful for your readiness to help them. You are an «acoustic lighthouse» for your new arrivals. Your singing makes them happy, and increases your happiness, too. In this way, you will forget your own concerns and your sleepiness.
Dr. med. André Simon
Reprint Schweizerische Ärzte- Zeitung 2011;92-19Übersetzung von Dr. Dietrich Weller
Schlafmütze
Ich bin ein Singvogel. Im Gegensatz zu anderen Vögeln kann man meinen Gesang auch nachts hören. Tagsüber schlafe ich auf einem Baumzweig, versteckt zwischen Blättern. Tag für Tag bei schlaflosen Nächten habe ich Schwierigkeiten, morgens bei Sonnenaufgang einschlafen zu können. Jeder Sonnenaufgangsvogel fängt an zu singen und stimmt in den Chor mit anderen Vögeln ein, und sie singen den ganzen Tag lang.
Deshalb fragte ich meine Freundin Eule nach einer Erklärung, warum das so ist. „Meine liebe Eule, deine Bestimmung ist es, die ganz Nacht lang still zu sein. Warum soll ich die ganze Nacht singen und tagsüber müde und schläfrig sein?“ –
„Liebe Nachtigall, du bist sehr bekannt als hervorragender Sänger, der von allen Vögeln geehrt wird. Eines der begeisterndsten Erlebnisse für mich ist, deinem Gesang zuzuhören. Besonders in warmen Sommernächten ist dein Gesang wunderbar. In der Nachts regiert die Stille, deshalb sind deine Melodien über weite Entfernungen hörbar. Der Gesang stört auch die Fresszeiten nicht. Nachts können Vögel keine Insekten entdecken, die ihre Hautnahrung sind. Ich bin ein Dauerbewohner großer Wälder. Alle Vögel sind Bewohner, die von Jahreszeiten abhängen. Wenn Regen und Schneezeiten eintreffen, fliegen alle kleinen Vögel weit fort. Die ersten, die abfliegen, sind die Nachtigallen. Wenn die Blumen wieder blühen, kommen die Vögel zurück, um in den Wäldern zu brüten. Die Erstankömmlinge sind die Nachtigallen. Sie sind fähig, die Wichtigkeit zu verkündigen, Gebiete und später Partner zu finden. Das kann wichtig sein für einen Vogel, der recht wählerisch bei seinem Wohnplatz, bei der Begattung und Aufzucht ist. Bei ihrer Rückkehr in der Nacht orientieren sich die Vögel, indem sie deiner klaren und lauten Melodie folgen. Deine nächtlichen Gesänge sind das Leitlicht für neue Freunde. Die ankommenden Vögel sind dankbar für deine Bereitschaft, ihnen zu helfen. Du bist der akustische Leuchtturm für deine Neuankömmlinge. Dein Gesang macht sie glücklich und steigert dein Glücksgefühl ebenso. Auf diese Weise wirst du deine eigenen Sorgen und deine Schlaflosigkeit vergessen.“
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(21.1.2022)
Durch die seidene Schneedecke
strecken sie ihre zarten Arme
mir liebkosend entgegen
Sie wissen wohl
wer sie einst
liebevoll gepflanzt hat֎֎֎
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(19.12.2021)
Für Julian Assange
Jedes Mal
wenn die Zugvögel
mit ihren Tänzen und Gesängen mich begrüßen
wenn die Schneeflocken
im Spätherbst sanft mein Gesicht feucht küssen
wenn die Krokusse
auf den Wiesen mich bunt anlächeln
wenn die Mandelbäume
mit ihrer Blütentracht mich rührend bezaubern
wenn die Felder
nach neuem Pflug mir vom Gedeihen berichten
wenn die Kinder
mit ihrem unbeschwerten Lachen mein Herz erwärmen
wirst du greifbar bei mir sein
begleitet von deinen unzähligen Vorgängern
aus nahen und fernen Erdteilen
Und ihr werdet immer wieder
mir die Entwicklungsgeschichte der Erdbewohner beleuchten
und somit gütig
Trost, Zuversicht und Lebensfreude schenken֎֎֎